Roy im Interview mit WELT ONLINE
In einem Interview mit „WELT ONLINE“ redet der ehemalige Nationalspieler über die Spielweise der Elftal, Bondscoach Bert van Marwijk, sein Traumendspiel bei der WM und wen er für den besten Feldspieler des DFB-Teams hält.
WELT ONLINE: Haben Sie sich am Sonntag Deutschlands 4:0 im Viertelfinale gegen Argentinien angesehen, Herr Makaay?
Roy Makaay: „Ja, aber nur die zweite Hälfte. Während der ersten stand ich noch auf dem Golfplatz (grinst).“
WELT ONLINE: Da haben Sie aber was verpasst.
Makaay: „Na ja, die zweite Hälfte war aber auch gut. Ich muss überhaupt sagen, dass die Deutschen bis jetzt in allen Spielen sehr gut waren. Gegen Argentinien hatten sie allerdings auch das Glück, dass sie schnell in Führung gegangen sind.“
WELT ONLINE: …ja?
Makaay: „Es wird mal wieder Zeit für ein Endspiel Holland gegen Deutschland.“
WELT ONLINE: Es scheint, als habe Ihr Land früher zwar schön, aber nicht sehr erfolgreich gespielt. Bei dieser WM ist es – siehe das Brasilien-Spiel – augenscheinlich anders.
Makaay: „Finden Sie? Gegen Brasilien haben wir sehr gut gespielt, meine ich, vor allem in der zweiten Hälfte.“
WELT ONLINE: Gut ja. Aber schön?
Makaay: „Ich sage Ihnen was. Ich habe Bondscoach Bert van Marwijk ein Jahr lang bei Feyenoord Rotterdam als Trainer gehabt (2007/2008 – d.R.). Er äußert ganz deutlich und klar gegenüber allen, was er will und was seine Ziele sind. Vor zwei Jahren, als er sein Amt übernahm, hat er gesagt: „Wir fahren nur nach Südafrika, um Weltmeister zu werden, nicht um den Schönheitspreis zu bekommen - wie Holland es oft getan hat.“
WELT ONLINE: Damals haben viele van Marwijk dafür ausgelacht.
Makaay: „Na ja, gelacht nicht direkt. Wer zu einer Weltmeisterschaft fährt, muss auch Weltmeister werden wollen. Ich zum Beispiel habe zwei Europameisterschaften mit Holland gespielt (2000 und 2004 – d.R.) und bin mit zweimal im Halbfinale ausgeschieden - den Titelgewinn hatten wir uns auch zum Ziel gesetzt.“
WELT ONLINE: Was unterscheidet die jetzige Elf der Niederlande von denen vorher?
Makaay: „Du merkst, dass es eine richtige Mannschaft ist. Das ist ein Verdienst von van Marwijk. Er schenkt den Spielern Vertrauen. Es sind einige dabei, die im Verein nicht so viel gespielt haben, und sie zahlen es ihm zurück. Joris Mathijsen (Innenverteidiger vom Hamburger SV – d.R.) beispielsweise war ja für das Spiel gegen Brasilien verletzt ausgefallen, dafür sprang André Ooijer (PSV Eindhoven – d.R.) super in die Bresche. Die Jungs kämpfen füreinander, wie Robin van Persie zum Beispiel, der bis zum Umfallen läuft.“
WELT ONLINE: Eine ironische Fußnote der deutschen Erfolgsgeschichte ist, dass in Louis van Gaal ausgerechnet ein Niederländer offenkundig viel Anteil daran hat. Bei Bayern München trainiert er die deutschen Stammspieler Schweinsteiger, Klose, Lahm und Müller.
Makaay: „Es ist durchaus zu merken, dass die Nationaltrainer von der Arbeit der Vereinstrainer profitieren. Wird bei den Spaniern etwa David Villa schon mitgezählt, standen gegen Paraguay sieben Spieler vom FC Barcelona auf dem Platz, als Pedro eingewechselt wurde. Bei den Deutschen stellt eben der FC Bayern die größte Fraktion. Da fällt mir ein, soll ich Ihnen was sagen?“
WELT ONLINE: Bitte!
Makaay: „Der beste Mann auf dem Platz für Deutschland ist bei dieser WM für mich Bastian Schweinsteiger - und zwar in allen Spielen. Was ich zuletzt gegen Argentinien wieder von ihm gesehen habe, war Weltklasse.“


